Ein Kompliment, eine unerwartete Frage, ein Blickkontakt zu lang – und schon steigt die Röte ins Gesicht. Für die meisten Menschen ein flüchtiger, harmloser Moment. Für andere der Beginn einer Abwärtsspirale aus Scham, Vermeidung und der ständigen Angst vor dem nächsten Erröten.
Wovor fürchtet man sich?
Erröten an sich ist etwas ganz Normales – der Begriff Erythrophobie leitet sich vom griechischen erythros (rot) ab. Es passiert den meisten Menschen, wenn sie sich freuen, aufregen, gelobt oder kritisiert fühlen. Kritisch wird es, wenn sich eine intensive Angst vor genau diesem Erröten entwickelt – dann spricht man von Erythrophobie. Betroffene fürchten nichts mehr, als rot zu werden: Sie empfinden das als einen extremen Makel (während sie gleichzeitig durchaus verstehen, dass das nicht stimmt), schämen sich dafür und befürchten, deswegen von anderen abgelehnt oder nicht ernst genommen zu werden.
Wann tritt die Angst vor dem Erröten auf?
Die Symptome stellen sich meist im direkten sozialen Kontakt ein – bei einer kurzen Begrüßung ebenso wie bei einem längeren Gespräch oder einer Rede vor Publikum. Betroffene versuchen oft, den vermeintlichen Makel zu kaschieren: mit deckendem Make-up, Rollkragenpullovern und Schals, manchmal auch mit bestimmten Frisuren oder Brillen. Eine Erythrophobie kann so weit gehen, dass Hobbys aufgegeben, soziale Kontakte gemieden und berufliche Aufstiegschancen ausgeschlagen werden, weil sie mehr soziale Sichtbarkeit erfordern würden.
Wie zeigen sich die Symptome?
Neben dem Erröten von Wangen, Hals und Dekolleté treten die klassischen Angstsymptome auf: Schweißausbrüche, feuchte oder kalte Hände, Herzrasen, das Gefühl, keine Luft zu bekommen, Übelkeit.
Wie entsteht eine Erythrophobie?
Wie bei anderen Phobien auch kann eine bestimmte, unangenehme Situation, in der die Person errötete, den Ausgangspunkt bilden („Du siehst ja aus wie ein Streichholz! Guckt mal, da kommt die kleine Tomate!“).
Viele Betroffene können sich nicht aktiv an das erste auslösende Erlebnis erinnern. Unbewusst sind diese Erinnerungen jedoch verfügbar.
Häufig sind Menschen mit geringem Selbstwertgefühl betroffen, die großen Wert darauf legen, was andere über sie denken, und die deshalb das Erröten als besonders beschämend empfinden.
Daraus entsteht leicht ein Teufelskreis: Je stärker man versucht, nicht an das Erröten zu denken, desto wahrscheinlicher tritt es auf – das Problem verstärkt sich selbst, und mit ihm die Angst davor.
Eine Beobachtung aus unserer Praxis: das Paradox des Nicht-Auffallen-Wollens
Bei vielen – wenn auch nicht bei allen – Klientinnen und Klienten mit Erythrophobie zeigt sich ein wiederkehrender Wesenszug: ein ausgeprägtes Bedürfnis, nicht aufzufallen, nicht anzuecken, keine Reibung mit anderen Menschen zu erzeugen. Dieselben Menschen hätten unter anderen Umständen möglicherweise eine klassische soziale Phobie entwickelt – bei ihnen zeigt sich die zugrunde liegende Anspannung stattdessen körperlich, durch Erröten.
Das Paradoxe daran: Ausgerechnet die starke Konditionierung auf Unauffälligkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass genau das Gegenteil eintritt – ein sichtbares, kaum zu übersehendes Erröten. Wer am meisten darauf bedacht ist, nicht herauszustechen, gerät so unbeabsichtigt am stärksten in den Fokus.
Wenn der Arzt zu einem operativen Eingriff rät
Viele Menschen mit ausgeprägter Erythrophobie erhalten irgendwann die ärztliche Empfehlung, über eine Sympathektomie nachzudenken – einen operativen Eingriff, bei dem der zuständige Sympathikusnerv durchtrennt oder verödet wird, um die Errötungsreaktion zu unterbinden.
Das ist eine anerkannte medizinische Option, über die ausschließlich Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt entscheiden sollten. Aus unserer Praxis möchten wir dazu jedoch eine Beobachtung teilen: Bei einigen unserer Klientinnen und Klienten, die sich für diesen Eingriff entschieden hatten, verlagerte sich die Reaktion anschließend lediglich – etwa als kompensatorisches Schwitzen an anderen Körperstellen. Das ist eine bekannte, in der Fachliteratur dokumentierte Möglichkeit bei diesem Eingriff.
Da eine Sympathektomie irreversibel ist, kann es sinnvoll sein, vor einer solchen Entscheidung sorgfältig zu prüfen, ob sich der zugrunde liegende Mechanismus – die unbewusste Kopplung zwischen sozialer Anspannung und der körperlichen Reaktion – nicht zunächst über einen nicht-invasiven, umkehrbaren Weg wie die Hypnotherapie bearbeiten lässt.
Wie Hypnotherapie bei Erythrophobie wirkt
Ein Gefühl entsteht nicht grundlos. Wenn soziale Situationen zuverlässig die Angst vor dem Erröten auslösen, ist das oft das Signal einer alten Interpretation – häufig verknüpft mit einem Moment, in dem Erröten tatsächlich mit Beschämung oder Bloßstellung einherging. Diese Verknüpfung hat sich verankert und meldet sich seitdem zuverlässig, sobald eine vergleichbare soziale Situation ansteht.
Das MSD Manual, ein medizinisches Standardnachschlagewerk, nennt bei spezifischen Phobien und sozialen Ängsten neben der Expositionstherapie auch Hypnotherapie als anerkannten Behandlungsansatz.
In der Hypnotherapie wird das belastende Gefühl in der Trance vergegenwärtigt und zu seinem ersten Auftreten zurückverfolgt. Gleichzeitig werden die heute tatsächlich vorhandenen Ressourcen – Gelassenheit, ein realistischeres Bild der eigenen Wirkung auf andere, innere Sicherheit – in die damalige Situation eingebracht. Diese Verknüpfung ermöglicht eine Neubewertung auf unbewusster Ebene, wodurch das System die Alarmreaktion zunehmend seltener aussendet.
Fester Bestandteil unserer Arbeit sind dabei durchgängig Methoden der Energiepsychologie (u. a. EFT) – Techniken, die von der Annahme eines energetischen Systems im Körper ausgehen, wie es auch der traditionellen chinesischen Medizin zugrunde liegt, und die insbesondere in Verbindung mit Trance eine hohe Wirksamkeit zeigen.
Was Hypnotherapie bei Erythrophobie unterstützen kann:
- Bearbeitung der ursprünglichen Prägung hinter der Angstreaktion
- Durchbrechen des selbstverstärkenden Teufelskreises aus Angst und vermehrtem Erröten
- Abbau von Vermeidungsverhalten in sozialen Situationen
- Stärkung eines realistischeren Selbstbilds, unabhängig vom Erröten
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Erythrophobie spricht als spezifische Angst in der Regel gut auf Hypnotherapie an. Sie absolvieren nur so viele Sitzungen, wie Sie tatsächlich benötigen. Die meisten Erythrophobie-Betroffenen kommen vier bis fünfmal für insgesamt 7 bis 10 Zeitstunden zu uns.
Den für Sie passenden Umfang klären wir im unverbindlichen Erstgespräch.
Verwandtes Thema: Erröten und übermäßiges Schwitzen entstehen oft aus einem sehr ähnlichen Mechanismus.
Mehr dazu auf unserer Seite Hypnotherapie bei Hyperhidrose.
Erfahrungsberichte
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Lesen Sie die Erfahrungsberichte unserer Klientinnen und Klienten zur Hypnotherapie bei Angst und Phobien.
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- ob die Hypnos®-Therapie eine erfolgversprechende Lösung für Ihr Anliegen ist
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Rechtliches
Bitte beachten Sie auch den Absatz über Kontraindikationen.
Erklärungen zu den hier verwendeten fachsprachlichen Begriffen finden Sie unter Glossar.
Unsere Tätigkeit als Hypnotherapeuten (staatl. zugelassen zur Psychotherapie/HeilprG) grenzt sich grundlegend von der Tätigkeit des Arztes ab, indem keine medizinischen Diagnosen gestellt werden.
Heilungsversprechen können und dürfen in keinem Fall gestellt werden.
Es werden keine Medikamente verabreicht.
Eine gegebenenfalls erforderliche medizinische oder psychiatrische Intervention sollte durch die hypnotherapeutische Arbeit keinesfalls ersetzt werden. Kurzfristige- und Akutinterventionen können nicht durchgeführt werden.
Das Team entscheidet im Einzelfall über Annahme oder Ablehnung einer Behandlung.
